Life

Realtalk #3: Zwischen Panikattacken, Depressionen und dem Leben

Depressionen sind das berüchtigte ›Schwarze Loch‹,
das alle Freude, jedes Glück verschlingt.

Birgit Ramlow

Ich weiß noch nicht, ob dieser Beitrag online gehen wird oder ob er lange online bleibt.

Denn eigentlich finde ich es wichtig über dieses Thema zu schreiben und zwar öffentlich, ohne irgendwelche Ängste und Sorgen, aber das ist leichter gesagt als getan. Und ich wette jeder von euch kennt mindestens eine Person, die von sowas betroffen ist.

Mein Leben ist bis heute nicht ganz so rosig gewesen, wie es oft den Anschein macht. Ich versuche die Fassung zu wahren und nicht zu viel preiszugeben. Aber es erschreckt mich, wie ich nicht darüberschreiben will. Ich weiß derzeit auch gar nicht wie ich anfangen will. Jetzt würden einige sagen „fang am Anfang an, so schwer kann es nicht sein“. Witz komm raus. Genau das will ich nicht erzählen. Alles andere gerne, aber nicht den Grund für all das wieder rausholen, wieder Bilder auftauchen lassen, die ich versuche zu vergessen, obwohl es nicht geht. Mein Schicksal nicht akzeptieren.

Und genau da fange ich an. Ich will manchmal nicht wahrhaben, was passiert ist. Es ist nicht fair, denke ich mir dann.
Für euch wird das hier nun ein Rätselraten und keine Lösung geben. Was mir leid tut, aber genau so fühle ich mich. Es herrscht Chaos. Schon in meinem Instagrambeitrag am 18.09. ist dies offensichtlich geworden. Ich habe einfach das festgehalten, was ich in der Sekunde dachte, wie ich mich gefühlt habe und das war nun auch der Grund für diesen chaotischen Beitrag.

Ich wirke taff, selbstbewusst und sicher in dem was ich tue. Tatsache. Das war ein wirklicher Kampf und ehrlich gesagt, die Depressionen sind dabei ausschlaggebend gewesen und zwar bis heute.
Die Prognose „Depression“ habe ich nie offiziell in Bezug auf mich gehört und will es auch nicht von einem Arzt hören. Ich war deshalb auch bis heute nicht in Therapie, auch wenn es sicherlich schlau wäre. Aber ich habe Angst. Angst, dass es doch alles tiefer sitzt als ich denke und dass es mir dann noch schlechter geht, als in meinen Schüben. Es gibt wirklich Tage, da will ich einfach nicht. Es geht zum Teil nichts mehr. Zum Glück hat sich das inzwischen so eingespielt, dass ich meine Psyche überliste und immer dann aufstehe, wenn ich wirklich arbeiten muss und dann sage, wenn ich wiederkomme, kann ich immer noch nur im Bett bleiben und warten, bis mein Verlobter nach Hause kommt. Nach der Arbeit geht es aber ein Glück nicht wieder ins Bett, sondern ich arbeite an meinem Blog oder schmeiße den Haushalt.

Derzeit fällt es mir aber immer schwerer die Kurve zu bekommen, denn zu meinen Depressionen kommen nun noch Panikattacken hinzu.
Wenn mich jemand fragt, wie sich sowas anfühlt, kann man es eher weniger beschreiben, denn jeder erlebt Depressionen anders und jede Depression ist eigenartig, weil der Auslöser oft verschieden ist und jeder mit bestimmten Situationen anders umgehen will. Manchmal kann ich es vergleichen mit dem Gefühl einer mehr als schlechten Note, über die man vielleicht ein paar Minuten traurig ist. Allerdings dauert diese Zeit länger an und ist noch aussichtsloser. Man kann sich also vorstellen, dass es kein Ende mit schlechten Noten hat und man den Sinn an der Sache nicht mehr sieht und im schlimmsten Fall dann aufgibt und alles hinschmeißt.
Das ist jetzt eine kinderfreundliche Situation, aber es gibt keine Beschreibung wie man sich fühlt, wenn man in einem Loch sitzt und nicht wieder rauskommt. Ich habe immer noch das Glück, dass es mir noch nicht so schlecht geht, dass ich nicht mehr rauskomme aus diesem Loch. Weshalb ich wahrscheinlich auch nicht einsehe mir einen Therapeuten zu suchen.

Nun aber zu meinen Panikattacken: Diese habe ich seit ich nicht weiß, was mit meiner Zukunft passiert. Derzeit heißt es nur auf irgendwelche Urteile warten und Tee trinken. Und dieses warten versetzt mich in Panik. Ich denke non-stopp „was wäre, wenn“. Das nervige an der Geschichte: Es kann sich bis mindestens Mitte November hinziehen.

Und das Ganze wirkt sich derzeit null auf die Arbeit aus. Was mich ziemlich glücklich wiederum macht, denn wenn ich eins nicht abkann, sind es Blicke, die einen Bemitleiden.

Wenn ihr jetzt genau nachdenkt, kennt ihr sicher jemanden in eurer Umgebung, der auch in einem Loch steckt. Stellt nicht immer die Frage „wie geht es dir“, wenn es euch gar nicht interessiert. Das macht es nicht wirklich besser. Lasst diese Frage weg, außer ihr macht euch wirklich um jemanden sorgen, dann fragt öfters nach und belasst es nicht bei dem einem Mal.

Bis bald

13 Comments

  • Andreas Schmied

    Liebe Freyja,

    ich finde es sehr mutig über sich Selbst, Depressionen und Panikattacken zu schreiben und dazu zu stehen! Für sehr viele Menschen, ist dass bis heute ein Tabuthema, ja sogar oft ein Grund ausgegrenzt zu werden! Toll, wie Du dich deinem Alltag stellst und aktiv dein Leben gestaltest. Aus meiner Erfahrung habe ich es oft erlebt, dass es hilfreich sein kann, sich professionelle Hilfe und Unterstützung zu holen. Das sollte jeder Mensch für sich entscheiden! Danke für den Blogartikel!

    Viele Grüße und lass dich nicht unterkriegen!

    Andreas von der Wunschschmiede

  • Dr. Annette Pitzer

    Angst- und Panikattaken nehmen in der heutigen Zeit immens zu. Meine Praxis für integrative Medizin und Psychotherapie ist voll mit Betroffenen. Schau immer auf die Psyche und den Körper, denn die Gründe sind oft in beiden Systemen zu finden.
    Alles Liebe
    Annette

  • Mo

    Liebe Freyja,

    puh, dein Beitrag hat mich schon recht ordentlich schlucken lassen. Und ja du hast Recht, auch ich kenne noch jemanden, dem es ähnlich geht wie dir.
    Leider wird das Thema auch heute nicht gern offen angesprochen, dabei sollte es wirklich nicht verschwiegen werden. Denn Angst- und Panikattacken kommen häufiger vor, als man meinen möchte.
    Dennoch – oder gerade deshalb – finde ich es klasse, dass du dich selber reflektierst und auch dabei so schonungslos ehrlich bist. Ich wünsche dir für deinen Weg viel Kraft und auch Menschen, denen du so wichtig bist, dass sie dich nicht fragen „Wie geht es dir?“ sondern dir sofort unterstützend zur Seite stehen.

    Liebe Grüße,
    Mo

  • Sabrina Ramona

    Liebe Freya,
    ich bin stolz auf dich, dass du dich getraut hat, über dieses Thema zu schreiben und es zu veröffentlichen. In meiner Umgebung kenne ich mehrere Menschen, denen es genauso geht wie dir. Dennoch wird darüber selten geredet oder wenig geschrieben.
    Ich weiß du wirst das alles meistern, denn du bist eine starke Frau. Du weißt immer wo du mich findest, auch wenn ich gerade 1000 von Kilometern weit weg bin. Hab dich lieb liebes.

    Liebe Grüße,
    Sabrina von Sabrinaramona.com

  • Heike

    Liebe Freya!

    Ich habe früher auch unter Panikattacken gelitten. Bei mir ist so eine Pakikattake meistens an der Supermarktkasse gekommen oder wenn ich abends auch der Couch gelegen habe. Es war eine ganz schlimme Zeit & ich hatte schon sowas wie eine Depression. Ich wollte das Haus nicht mehr verlassen und war total in mich gekehrt. Das änderte sich alles nach meiner Dignose – Hashimoto Thyreoiditis auch Schilddrüsenhnterfunktion im Volksmund! Ich könnte eine Roman darüber schreiben & möchte jetzt nicht näher darauf eingehen aber es änderte sich alles und es geht mir gut!
    Wenn du weitere Fragen hast, kannst du dich jederzeit melde.

    Alles liebe & bis bald

    xoxo
    Heike
    https://mumandthefashioncircus.com

    • freyjasthing

      Vielen Dank, dass du deine Geschichte hier teilst, das bedeutet mir wirklich viel! Wie gut, dass der Grund gefunden wurde, damit kann man sicher besser arbeiten ❤

  • Katii

    Ich finde es sooo mutig, dass du dich getraut hast, so offen über dieses Thema zu schreiben – das schafft echt nicht jeder! Angst- und Panikattacken können das Leben richtig einschränken… das weiß ich leider zu gut, weil eine Freundin von mir auch drunter leidet 🙁
    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

  • L♥ebe was ist

    es stimmt, das ist ein Thema, dem noch viel zu wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gewidmet wird, weil wir uns viel zu sehr dafür schämen … gerade in der heutugen Zeit, sind solche Angst- und Panikstörungen sowie Depression so häufig geworden!

    ich kann quasi beide „Seiten“ verstehen … wenn ich darunter litte, würde ich es auch nicht an die Öffentlichkeit bringen. bewundere aber Menschen, wenn sie es tun!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  • Nadine von tantedine.de

    Erstmal wünsche ich dir sehr viel Kraft für ALLES. Ich bin leider auch mit diesem Thema ‚vertraut‘ und weiß, dass Ratschläge von außen meistens nichts bringen. Es muss bei einem selnst ‚klick‘ machen. Manchmal wirkt es Wunder mit einem neutralen Mensche über seine Gedanken und Ängst zu sprechen 🙂

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

  • Avaganza

    Liebe Freyia,

    du sprichst ein wichtiges Thema an. Es leiden viele Menschen unter Depressionen. Auch in meiner Familie und so traurig es ist, viele Menschen können mit Betroffenen nicht richtig umgehen. Ich kann dich als Psychologin nur dazu ermutigen dir ärztliche Unterstützung zu holen. Ich kenne viele Freundinnen die in schwierigen Phasen auf Medikamente zurückgegriffen haben und das hat wirklich geholfen. Von alleine gehen Depressionen nämlich nicht weg …

    Alles Gute für dich <3
    lg
    Verena

  • Petra :)

    Schön, dass du den Mut hattest dieses wichtige Thema anzusrechen und von dir zu erzählen. Ich bin mir sicher, dass dir genau dieser Mut hilft, die schweren Zeiten zu bewältigen. Ich finde es jedenfalls grossartig wie du mit deiner Situation umgehst. Ich wünsche dir alles Gute und ganz viel Kraft 😊

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